[az_blank_divider height_value=“40″]
[az_column_text]

Politrickser

[az_highlight mode=“color-text“]Larry Beinhart[/az_highlight], 1947, wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und lebt heute in Woodstock. Er arbeitet derzeit als Journalist für den englischsprachigen Ableger von Al Jazeera und hat 2015 einen neuen Roman geschrieben: »ZombiePharm«, eine ausgesprochen witzige und kluge Satire auf das öffentliche und private Erziehungs(un)wesen nicht nur in den USA.

Manipulation, PR, Propaganda in Wirtschaft und Politik sind als Themen all seiner Bücher stets im Hintergrund präsent. Messerscharf, gut recherchiert und klarsichtig konstruiert er die Kulissen, in denen sich seine Protagonisten bewegen …

Larry Beinhart lacht oft und gern, deshalb spielt in seinen Büchern Humor eine so große Rolle. Er vergisst nie, seine Leser auch zum Schmunzeln zu bringen, selbst wenn der Tenor einer Geschichte ernst ist — etwa in seinem hierzulande vermutlich bekanntesten Roman »American Hero«, wenn er den Schlafanzug von Präsident Bush beschreibt: weißes Flanell mit Seehunden, die kleine Präsidenten auf den Nasen balancieren.[/az_column_text]

[az_column_text]Larry Beinhart 2016[/az_column_text]
[az_blank_divider height_value=“40″][az_column_text]

Links

Beinhart for Empire bei Al Jazeera

Beinhart in Wikipedia (EN)[/az_column_text][az_blank_divider height_value=“40″][az_column_text]

Bibliographie

spraybooks wird zunächst sämtliche bereits früher auf Deutsch erschienenen Romane von Larry Beinhart in überarbeiteten Neuausgaben veröffentlichen; die bislang nicht übersetzten Titel sollen später folgen.

[az_highlight mode=“color-text“]DIE RECHNUNG[/az_highlight], Köln, spraybooks, 2015, ISBN: 978-3-945684-04-7, O: No-One Rides for Free, 1986, dt. [az_highlight mode=“color-text“]Kein Trip für Cassella[/az_highlight], 1989

Neue Print-Ausgabe im Kölner emons Verlag:
NO-ONE RIDES FOR FREE
, Köln, (emons: vintage crime) emons Verlag, 2017, ISBN: 978-3-95451-771-8

[az_highlight mode=“color-text“]DIE QUITTUNG[/az_highlight], Köln, spraybooks, 2015, ISBN: 978-3-945684-10-8, O: You Get What You Pay For, 1988, dt. [az_highlight mode=“color-text“]Zahltag für Cassella[/az_highlight], 1989

[az_highlight mode=“color-text“]DER WECHSEL[/az_highlight], Köln, spraybooks, 2015, ISBN: 978-3-945684-11-5, O: Foreign Exchange, 1991, dt. [az_highlight mode=“color-text“]Priester waschen weißer[/az_highlight], 1992

[az_highlight mode=“color-text“]AMERICAN HERO (Wag the Dog)[/az_highlight], Köln, spraybooks, 2017, ISBN: 978-3-945684-29-0, O: American Hero (Wag the Dog), 1993, dt. [az_highlight mode=“color-text“]American Hero[/az_highlight], 1994

The Librarian, 2004

Salvation Boulevard, 2008

ZombiePharm, 2015[/az_column_text]

[az_special_heading special_heading_title=“Affenscheiße ist Affenscheiße.“ special_heading_subtitle=“von Alf Mayer“][az_blank_divider height_value=“40″][az_column_text]»Wir haben es der Güte Gottes zu verdanken, dass wir in unserem Lande drei unsagbar kostbare Dinge besitzen: die Redefreiheit, die Gewissensfreiheit und die Klugheit, keines von beiden je in die Tat umzusetzen.« Erst als es schon viel zu spät ist für die Durchsetzung der ersten zwei »unsagbar kostbaren Dinge«, nämlich auf Seite 388 zitiert Autor Larry Beinhart diesen Aphorismus von Mark Twain in seinem respektlosen Thriller »Zahltag für Cassella«.

Nicht der einzige Krimi, aber einer der wenigen, die übersetzt auf unsere Ladentische kommen, steht Zahltag für Cassella musterhaft dafür, was in USA möglich, hierzulande aber wenig selbstverständlich ist: die (scheinbar) mühelose Verschränkung von Fiktion und politischer Realität, die schonungslose Aufdeckung krimineller-politischer Geschäftemacherei — wenigstens in der Fiktion. »Keiner hätte uns das geglaubt«, jammern deutsche Krimi-Schreiber, angesprochen auf den fehlenden Roman zur Barschel-Affäre. Solch ein Einwand aber — und er ist die Standardantwort —, heißt das falsche Pferd von hinten her aufzuzäumen. Heißt, die mittlere Vernünftigkeit eines bundesdeutschen Fernsehspiels, also eine nur in Maßen aufregende, aller »Schadstoffe« entledigten »Realität« das Wort zu reden. Heißt, durch Nichtschreiben mitzustricken an dem, was quasi als gesellschaftlich gemeinsamer Nenner u.a. von »Tagesschau« und »heute« täglich offiziell verkündet wird. Bundesdeutsche Krimiautoren, das behaupte ich, haben die falsche Art von Respekt, schreiben für die falsche Öffentlichkeit: so, als wollten sie in die »Tagesschau«, mindestens aber in die Literatursendungen. Um politisch mitzumischen, als (auch) politische Literatur erkannt und anerkannt zu werden, reicht das aber nicht. »Die Fiktion ist bereits vorhanden. Aufgabe des Schriftstellers ist es, die Realität zu erfinden«, sagt der englische Schriftsteller J.G. Ballard.

Larry Beinhart, der wirklich so heißt und für seinen ersten Krimi, »Kein Trip für Cassella« (eine Drogen- und Finanzstory auf Wallstreet) 1986 den Edgar erhielt, erfindet in »Zahltag für Cassella« die Realität, indem er im Jahr 1984 jede Menge realer Personen, jede Menge verbürgter Zitate, jede Menge bewiesener Sauereien, Dummheiten und Machtverhältnisse mit jeder Menge Erfundenem konfrontiert, hauptsächlich mit seinem respektlosen Privatdetektiv Mike Cassella, der — weil er das Geld gut brauchen kann — für 100.000 Dollar den Mafia-Verbindungen des (offiziell davon weißgewaschenen) US-Justizministers nachspürt.

Natürlich wird Cassella fündig, erfährt mehr als er wissen wollte. Und auch wir erfahren mehr, als wir zu wissen glaubten. Kein deutscher Krimischreiber, immer eine Einladung in eine Talkshow vor dem träumenden Auge, würde sein Credo so formulieren, wie Larry Beinhart es tut: Wahrheit ist Wahrheit. Affenscheiße ist Affenscheiße. Das ist das grundlegende Menschenrecht und vielleicht die höchste Bestimmung des Menschen — die Wahrheit von der Affenscheiße unterscheiden zu können.

Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass »Zahltag für Cassella« beinhart, windelweich, oft gar nicht lustig und oft zum Brüllen komisch ist. Wenn Larry Beinhart so weitermacht, stelle ich ihm ohne Zögern neben den zeitgenössischen (amerikanischen) Meister der politischen Satire: neben Richard Condon, der manchen vielleicht durch die Romanvorlage des John-Huston-Films »Die Ehre der Prizzis« (mit Jack Nicholson) bekannt geworden ist.

Alf Mayer in »Blutige Ernte«, 1990. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[/az_column_text]

[az_special_heading special_heading_title=“Der Verblüffer“ special_heading_subtitle=“von Peter M. Hetzel + Jürgen Bürger“][az_blank_divider height_value=“40″][az_column_text]»Zermatt, Davos, Klosters, St. Moritz, Andermatt, Verbier, Wengen, Grindelwald, Mürren, Saas Fee, Crans Montana und Gstaad«, lautet Larry Beinharts Antwort auf die Frage, was ihm beim Stichwort Schweiz als erstes einfällt. »Leider bin ich noch in keinem dieser Orte gewesen. Aber ich träume praktisch täglich von der Schweiz.« Der Januar in den Catskill Mountains ist der erklärte Lieblingsmonat des passionierten Skifahrers (er absolviert gerade seine Skilehrerprüfung) und Schriftstellers. »Es ist eine weiße Wunderlandschaft. Eben wie ich mir als Kind den Winter in den Schweizer Alpen vorgestellt habe.« Selbst nach einem kurzen Regenintermezzo, eigentlich am Jahresanfang in dieser Region unüblich, bietet die Landschaft stets ein makelloses Winterpanorama. Fast so perfekt und idyllisch wie die mit Zuckerwatte überzogene Kulisse eines Hollywood-Films.

Den uramerikanischen Mythos Hollywood demontiert Larry Beinhart in seinem neuen Roman American Hero (Kiepenheuer & Witsch). Er will aber vor allem das fast schon blinde Vertrauen in die vermeintliche Objektivität und Zuverlässigkeit der Medien verunsichern. Denn für Beinhart wurde nicht zum ersten Mal die Wahrheit einem Krieg geopfert, wie beispielsweise 1991 während der Operation Desert Storm geschehen. Mit der Berichterstattung über den Golfkrieg gelang den Fernsehdesignern eine Animation, die in den Augen von Steve Vardy, Art-director der CBS Evening News, »so gut geworden ist, dass die Leute manchmal vergessen, dass es eine Simulation ist«. Zweifelsfrei war dieser Krieg so mediengerecht, dass Hollywood das Drehbuch dazu geschrieben haben könnte.

In American Hero entwickelt George Bushs Berater Lee Atwater eine ultimative PR-Strategie, um seinem Präsidenten die zweifelhaft gewordene Wiederwahl zu sichern. Die Idee ist so simpel wie alt: Der Führer eines Landes zieht in den Krieg, wenn seine Popularität sinkt. Aber dieser Krieg muss von Profis geführt werden, und im Medienzeitalter sind das weder Generäle noch Politiker, sondern die großen Marketingfirmen. Man findet einen geeigneten Regisseur, bestimmt die Akteure, sorgt für Werbung und Finanzierung des Projektes, damit Amerika als Produzent dieser »Reality Show« nicht auf den Kosten sitzenbleibt. Aus dieser Hypothese entwickelt Beinhart eine vielschichtige und temporeiche Story, die geschickt Elemente des Politthrillers und der Gesellschaftskritik vereint.

Der Sechsundvierzigjährige wuchs in Brooklyn auf und lebt heute — nach einem sechsjährigen Zwischenspiel in Miami — mit seiner Familie in Woodstock. Jener idyllische Ort im Staat New York gelangte 1968 durch das gleichnamige Festival zu weltweiter Berühmtheit. Hier wohnten Bob Dylan und Albert Grosman, der Manager von Janis Joplin und Tom Petty. Heute leben und arbeiten hier bekannte Musiker wie der Lead-Sänger der Popgruppe Steely Dan oder renommierte Journalisten wie Dakota Lane.

Die Straße zum Ortsteil Byrdcliffe schlängelt sich den Guardian Mountain hinauf, bis man das für die ehemalige Künstlerkolonie typische, ganz aus Holz erbaute Haus erreicht. Beeinflusst von dem englischen Sozialreformer Ruskin legten die Gründer der Kolonie großen Wert auf einfaches Leben in natürlicher Umgebung. Die Häuser besaßen weder Keller noch Fundament, und die Außenfront mit der Holzverkleidung wurde in warmen Brauntönen belassen. »Ich mag alte Dinge. Massives Holz ist ein wunderbares Baumaterial. Hohe Decken, wie in unserem bis unter den Dachstuhl offenen Wohnzimmer, und viel Licht sind für mich sehr wichtig.«

Das Haus betritt man durch die eher spartanisch eingerichtete Küche, der genau anzusehen ist, dass weder Gillian noch Larry Beinhart großes Interesse am Kochen haben. »Man könnte sagen, wir sind echte Junk food-Vegetarier«, ist dazu sein selbstironischer Standardkommentar. In die unmittelbar angrenzende, gemütlich eingerichtete Bibliothek und das Arbeitszimmer von Gillian — die aparte Frau ist Schauspielerin und ebenfalls Schriftstellerin — zieht sich Beinhart gern zum Lesen (George Bernard Shaw) und Musikhören (Bob Dylan) zurück.

Die darüber liegende und zum großen Hauptraum des Hauses hin offene Galerie dient im Winter den Kindern Anna Genevieve (fünf) und James Irving (drei) als Platz zum Spielen und Schlafen. Ihr eigentliches Reich befindet sich unter dem Elternschlafzimmer. Aber da die stilgerechte Modernisierung des alten, T-förmig angelegten Hauses noch nicht beendet ist, ziehen die Kinder in der kalten Jahreszeit einfach um. Weil sie von dort oben alles unter Kontrolle hat, genießt es besonders Anna, direkt über dem Wohnzimmer zu schlafen. Es ist der Mittelpunkt von Haus und Familienleben. Vor dem großen offenen Kamin sitzt man mit Freunden zusammen, spielt mit den Kindern oder bespricht — auch noch nach siebenjähriger Ehe — in aller Ausführlichkeit die Ereignisse des vergangenen Tages.

»Hier zu leben ist für mich ein Wirklichkeit gewordener Traum.« Das weiß Beinhart ganz genau. »Oft werde ich vom Licht des Sonnenaufgangs geweckt, das sich in den Scheiben unseres Schlafzimmerfensters bricht.« Die weißen Sprossenfenster des Hauses öffnen den Blick auf ein fast 37.000 Quadratmeter großes Grundstück unberührter Natur. Nicht selten zeigen sich ganz aus der Nähe Rehe, Hirsche und wilde Truthähne. »Eigentlich bin ich ein langweiliger Mensch«, offenbart sich der Hausherr. »Ich interessiere mich nur für Bücher und Skilaufen.« Im Sommer tauscht er die Ski gegen Turnschuhe und joggt. Wobei er in seinem Walkman mit Vorliebe vertonte Weltliteratur statt Musik hört.

Aus dem Wohnzimmer führt eine Tür zu einem nahegelegenen Blockhaus, das von einem gewaltigen, aus Holz geschnitzten Bären bewacht wird. Anfang der fünfziger Jahre wurde die kleine Dependance von dem Theaterregisseur Jose Quintero für Proben genutzt und ist die Wiege des Circle in the Square-Ensembles, mit dem die Off-Broadway-Bewegung der New Yorker Theater begann. Larry Beinhart hat sich das ehemalige Studio als Arbeitszimmer eingerichtet. Unlängst erhielt es eine neue Wärmeisolierung. »Deshalb sieht es hier auch noch so kahl aus. Sechs Stunden brauchte der Holzofen, um das Häuschen aufzuheizen. Es wäre nur leicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich bis vor kurzem mit dicken Handschuhen vor dem Computer gesessen habe.«

In Beinharts Leben steht an erster Stelle die Familie, gefolgt von »Schöpfungsprozessen, auch Arbeit genannt. Dann folgen Skifahren, andere körperliche Aktivitäten und schließlich Lesen.« Seine Familie, »dieses inzwischen sieben Jahre währende Abenteuer«, hat ihm »mehr Glück und Zufriedenheit gebracht, als alle anderen kleinen Abenteuer davor«.

Für den studierten Theaterwissenschaftler ist es — nicht nur — beim Schreiben wichtig, neue Ideen zu entwickeln, sie auszubauen und mit ihnen zu spielen. Der Grundgedanke zu American Hero entstand aus einer eigenen ironischen Randbemerkung. Mit dem Satz »Der Golfkrieg war doch nur eine Fernsehserie« provozierte Beinhart seine Gesprächspartner. »Kein Mensch verstand das ganze Ausmaß und die Ungeheuerlichkeit meines Satzes. Niemand lachte. Aber für mich als Schriftsteller steckte diese Idee voller Herausforderungen. Also habe ich das Buch geschrieben.«

In seinem Arbeitszimmer findet sich in unzähligen Regalmetern Sekundärliteratur über Marketing, militärische Strategie und Taktik, Propaganda, asiatische Philosophie und Filmgeschichte, die Beinhart für die Arbeit an American Hero benötigte. Literatur muss für ihn mehr sein als Unterhaltung. »Das private Leben der Menschen wird entscheidend beeinflusst durch Dinge, die um sie herum geschehen. Durch Krieg, Geld oder Politik.« Neben Shaw und Bertolt Brecht nennt er die Begründer des New Journalism Tom Wolfe und Hunter S. Thompson als seine wichtigsten literarischen Vorbilder.

Wenn Bestsellerautoren wie Michael Crichton wegen ihrer vermeintlichen Inhaltsleere kritisiert werden, reagiert Beinhart verärgert: »Komplexe wissenschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche oder politische Zusammenhänge sowohl jedem Leser verständlich zu machen — was die Literatur leisten sollte — und gleichzeitig einen interessanten Plot entwickeln zu können, das ist echte Arbeit. Wenn dies einem Autoren gelingt, sind Neider und Kretins natürlich schnell bei der Hand mit dem Vorwurf, dass man eigentlich ja gar nichts Richtiges mache, sondern nur eine Marktnachfrage befriedige.«

Aber alles, was dieser Mann in seinem Leben bereits gemacht hat — er war als Produzent und Regisseur von Werbefilmen und politischer Berater tätig —, musste vor allem Spaß machen. So verspürt der Vergnügungssüchtige eine ausgesprochene Abneigung gegen jede Art von Hausarbeit, die er daher gern seiner Frau überlässt. Gillian, ein temperamentvoller, irischstämmiger Rotschopf, war es im übrigen auch, die das Haus von einem Experten des Feng-Shui analysieren ließ, der seine Auftraggeber nach der alten chinesischen Harmonielehre des Wohnens berät. Er empfahl den Beinharts, dass etwas für das Wohlbefinden des neben dem Haus schlummernden Drachen getan werden müsse. Deshalb entstand im letzten Sommer ein üppiger Blumengarten.

Eine besondere Befriedigung empfindet Beinhart, wenn er ein neues Projekt entwickelt und erfolgreich zu Ende gebracht hat. »Wenn man kreativ sein, immer wieder an neuen Dingen arbeiten kann, obendrein dafür bezahlt wird und Anerkennung findet — das ist es, war mir Spaß macht und wichtig ist.« Wo bleibt bei soviel Energie und Tatendrang noch genügend Zeit für sich und die Familie? »An zwei Tagen der Woche bin ich Skilehrer. Fünf Tage in der Woche schreibe ich. Sieben Tage habe ich Frau und Kinder. Ich kenne das Wort Freizeit gar nicht — oder vielleicht ist alles nur Freizeit!«

Als Schriftsteller kennt er auch die Angst vor dem Erfolg, besonders wenn er an sein nächstes Buch denkt. »Meine Frau sagt, ich ziehe die Judy Garland-Nummer ab, wenn ich so reagiere. Man kennt ja die Geschichte. Bei einer Premiere im New Yorker Palace erhielt Judy Standing ovations und feierte einen Bombenerfolg. Doch hinter der Bühne war sie in Tränen aufgelöst. Ihre Freunde sagten, sie müsse doch eigentlich glücklich sein. Und Judy antwortet: ,Ja, ja, das war ich. Aber was ist morgen?‘ Es ist ein bisschen übertrieben. Natürlich will ich Erfolg haben, aber es gibt Wichtigeres. Mehr beschäftigt mich die Zukunft meiner Kinder oder zum Beispiel der Krieg in Bosnien.«

Larry Beinhart lacht oft und gern, deshalb spielt in seinen Büchern Humor eine so große Rolle. Trotz des ernsten Tenors in American Hero vergisst er nie, den Leser zum Schmunzeln zu bringen — etwa wenn er den Schlafanzug von Präsident Bush beschreibt: weißes Flanell mit Seehunden, die kleine Präsidenten auf den Nasen balancieren. Es hegt in Larry Beinharts Naturell, Menschen zu verblüffen: »Ich besitze sogar einen echten Verblüffer. Den habe ich mir mal bestellt. Man musste drei Umschlagseiten von X-Ray Man-Comics plus $7,95 einschicken. Das Ding ist aus Plastik, und eine Art Betäubungspistole. Wenn man auf den Knopf drückt, sind die Leute verblüfft. Sie erstarren buchstäblich, können aber weiter atmen. Die Zeit vergeht, und solange sie in diesem Zustand sind, werden sie nicht älter. Das hält an, bis man entweder den Verblüffer erneut auslöst oder die Batterien von dem Ding leer sind.«

Offensichtlich ist Larry Beinharts Lebenscredo humoristischer Provenienz, und deshalb ist es nur folgerichtig, wenn er verkündet: »Die Welt wäre besser, wenn Groucho Marx sie gemacht hätte. Dann wäre sie zwar nur schwarz und weiß, aber auf jeden Fall erheblich lustiger.«

Mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

[/az_column_text]