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Wag the Dog

Zum ersten Mal vollständig

Kurz vor seinem Tod plant Lee Atwater, der Berater des US-Präsidenten George Bush sen, einen letzten, spektakulären Schachzug, der dem Präsidenten zur Wiederwahl verhelfen soll. Und der einzige Mann, der dieses ungeheuerliche Vorhaben in die Tat umsetzen kann, ist Hollywoods berühmtester Regisseur. Als eine junge Schauspielerin durch Zufall Wind von diesem Projekt kriegt, bittet sie den Privatdetektiv Joe Broz um Hilfe – und stößt auf das Skript zum Golfkrieg!

Die beiden werden zu Gejagten in einem atemberaubenden Spiel um Leben und Tod hinter der Kulissen der amerikanischen Filmindustrie, in den Amtszimmern des Weißen Hauses und auf den Straßen von Los Angeles. In brillanten Dialogen, intimen Geständnissen und schneller Schnitttechnik gelingt Beinhart eine raffinierte Satire, in der Fiktion und Wahrheit längst ununterscheidbar geworden sind.

Nicht nur ein fesselnder Thriller, sondern auch ein politischer Roman, der die neuen Machtverhältnisse in der westlichen Welt und den direkten Einfluss der Medien zum Thema hat. Eine ebenso unterhaltsame wie spannende Fabel über Politik und Propaganda.

L- Beinhart – Wag the Dog Temp 2

Der Roman erscheint erstmals vollständig auf Deutsch. Das Originalmanuskript wurde für die spraybooks-Ausgabe vollständig neu überarbeitet.

Larry Beinhart

Der 1947 geborene Larry Beinhart lebt heute in Woodstock, NY, und arbeitet hauptsächlich wieder als Journalist. 2015 hat er einen neuen Roman geschrieben, »ZombiePharm«, eine ausgesprochen witzige und kluge Satire auf das moderne Schulsystem nicht nur in den USA.

Larry Beinhart lacht oft und gern, deshalb spielt in seinen Büchern Humor eine so große Rolle. Er vergisst nie, seine Leser auch zum Schmunzeln zu bringen, selbst wenn der Tenor einer Geschichte ernst ist — etwa in seinem hierzulande vermutlich bekanntesten Roman »American Hero«, wenn er den Schlafanzug von Präsident Bush beschreibt: weißes Flanell mit Seehunden, die kleine Präsidenten auf den Nasen balancieren.

Larry Beinhart 2016

Beinhart attackiert den amerikanischen Traum an seiner stärksten Stelle: in Hollywood, an der Schnittstelle zwischen Sein und Schein.

– Süddeutsche Zeitung

Kap. 1

Er hielt sich für einen zweiten Machiavelli. Für einen politischen Theoretiker. Den Meisterintriganten. Für den cleversten und skrupellosesten Mann des Reiches.

Und um ein Reich handelte es sich zweifellos, in vielerlei Hinsicht um das größte Reich, das die Welt je gesehen hatte, auch wenn es sich in politischen Kreisen nicht gehörte, dies auszusprechen. Auf jeden Fall übertraf es kleinere Reiche wie das der Borgias oder den Einflussbereich der Medicis und aller dieser italienischen Stadtstaaten so sehr, als würde man einen Elefanten mit einer Ameise vergleichen wollen. Dieses Reich konnte – ganz gleich was die politisch korrekte Ausdrucksweise gerade sein mochte – tatsächlich nur mit Rom verglichen werden, als Rom noch Inbegriff des Imperiums war.

Und er war der Königsmacher. Der König trug vielleicht keine Krone, aber er war der Erste im Lande. Armeen unterstanden seinem Kommando, er konnte Milliarden ausgeben, und er besaß die Macht, Reichtümer zu erschaffen und Leben zu vernichten. Der Träumer auf dem Bett war der Mann, der den König beriet. Was tatsächlich mehr war, als Meister Niccolò Machiavelli[1] je selbst erreicht hatte.

Obwohl er delirierte – Folge der tödlichen Krankheit, der starken Medikamente, die ebenso wirkungsvoll wie einschläfernd waren, und der Angst, schließlich stand der Tod bevor, und der Träumer wusste das – enthielten seine Gedanken nichts Unwahres. Sie waren vielleicht ein wenig zu bunt, quasi eine kostümierte Version der Wirklichkeit, aber dennoch waren sie fundiert, zutreffend, real. Er hätte dieselben Gedanken auch zu Hause haben können, und zwar mit Fug und Recht, bei bester Gesundheit und einem uramerikanischen Barbecue zum Nationalfeiertag – Hühnchen, Ribs, dazu Wassermelone, Whiskey auf Eis und gut gekühltes Bier, im Kreis seiner Familie, umgeben von Freunden, Speichelleckern, Günstlingen, Lobbyisten, Intriganten, Gefolgsleuten, Nachahmern, Möchtegerns, den Milliardären und Händlern der Macht.

»Er schläft«, sagte die Krankenschwester leise. Sie war nicht hübsch, aber sie war sehr sauber, und sie war weiß. »Vielleicht wacht er bald auf.«

Der Besucher sah sie fragend an.

»Sie können hier warten«, sagte die Krankenschwester und deutete auf einen Stuhl neben dem Bett. »Sofern Sie das möchten«, fügte sie schüchtern hinzu. Man befand sich in keinem öffentlichen Krankenhaus mit all seinen Besuchszeiten und starren Regeln, wo die Ärzte und selbst die kleinen Krankenschwestern den Patienten, deren Familien, Freunden oder regelmäßigen Besuchern diktierten, was wann zu tun und zu lassen war, und erwarteten, dass man ihnen gehorchte.

»Er hat nach mir verlangt?«, wollte der Besucher wissen.

»Ja«, sagte sie. »Er sagte, es sei wichtig. Sehr wichtig. Aber«, fügte sie schnell hinzu, »mehr hat er mir nicht gesagt«, beinahe als wollte sie dem Besucher versichern, dass sie nicht mehr wusste, als sie wissen sollte.

Der Besucher überlegte. Er war ein sehr, sehr beschäftigter Mann. Sehr beschäftigt. So ziemlich der Beschäftigteste im ganzen Imperium. Also. Der Mann, der hier im Sterben lag, war ein Freund gewesen. Ein Kollege. Teil des Gewinnerteams. Der Besucher beschloss, dass er wohl zehn Minuten erübrigen könne. Falls der Träumer aufwachte und redete, hätte die Mission ihr Ziel erfüllt. Falls nicht, hätte er zumindest seine Schuldigkeit getan und könnte ruhigen Gewissens gehen.

Der Patient hieß Lee Atwater.[2] Ein Hirntumor würde schon bald sein Leben beenden.

Dies war eine so perfide Ironie des Lebens, dass selbst seine Feinde es geschmacklos fanden, darüber Witze zu reißen.[3] Und seine Feinde hassten ihn zutiefst. Er hatte auf brillante und vernichtende Weise mit Unterstellungen, Halbwahrheiten und politischen Verzerrungen gearbeitet, um aus den Widerwärtigkeiten der amerikanischen Gesellschaft Kapital zu schlagen, vor allen Dingen dem Rassismus.[4] Rassismus war immer wirkungsvoll, aber auch gefährlich, und erforderte daher das Fingerspitzengefühl eines Fachmanns. Wenn der Sterbende meinte, er allein habe George Bush 1988 zum Präsidenten gemacht, so sprach das nicht für ein übertriebenes Geltungsbedürfnis. Bevor Atwater seine Kampagne startete, hatte Bush in den Umfragen achtzehn Punkte zurückgelegen. Bevor Atwater jenes Medienereignis inszeniert und den Fernsehjournalisten Dan Rather so zu einem Angriff auf den damaligen Vizepräsidenten verleitet hatte, dass Bush zurückschlagen konnte, hatte George als Schlappschwanz gegolten. Ein Mann, der keinen einzigen klar verständlichen Satz zustande brachte, wenn er ihn nicht irgendwo ablesen konnte, ein Mann, der mit der Iran-Contra-Affäre belastet war, und so weiter und so fort, jede Menge Probleme. Mit diesem verkrüppelten Pony, mit diesem lahmen – wenn auch reinrassigen – Gaul hatte Atwater das größte Rennen der Welt gewonnen.

Die Sekunden tickten vorüber. Graue Wolken hingen vor dem Fenster. Beerdigungswetter, dachte der Besucher. Noch war keine Minute vergangen, und schon war er ungeduldig. Es war dumm von ihm gewesen, sein Handy nicht mit ins Krankenzimmer zu nehmen. Verdammt, es war dumm von ihm gewesen, nicht sein Telefon und ein Schwung Berater und ein tragbares Faxgerät mitzunehmen. Wenn irgendjemand wirklich verstanden hätte, wie kostbar Zeit für einen sehr, sehr beschäftigten Mann ist, dann Lee.

Atwater hing unterdessen weiter seinen Gedanken nach, träumte weiter von dem Mann, den er zum König gemacht hatte und der nach seinem Tod allein zurechtkommen musste. Obwohl Bush Präsident war und Atwater nur der Berater – und noch dazu dem Tode nahe – , obwohl Bush in die Geschichte eingehen würde, während Lee froh sein konnte, wenn er mehr als eine Fußnote wurde; und obwohl Bush die Macht in Händen hielt, während Atwater nur Vorschläge machen konnte, wie sie eingesetzt werden sollte, eine Stimme von vielen in einem kakophonen Chor, hegte Atwater George gegenüber immer noch recht gönnerhafte Gefühle. Völlig normal bei politischen Beratern. Nicht anders empfinden Anwälte gegenüber ihren Mandanten, Ärzte gegenüber ihren Patienten, Agenten gegenüber Klienten. Sie alle halten den jeweiligen Klienten für ein Produkt, das nicht in der Lage ist, selbständig für sich zu sorgen; das dirigiert, instruiert, umsorgt und geschützt werden muss. Wenn der Klient tut, wie ihm geheißen, dann ist er erfolgreich, kommt voran und überlebt. Wenn nicht, dann bringt er alles durcheinander, schadet sich selbst, macht dem „Betreuer“ mehr Arbeit, ganz gleich, welchen Titel, welche genaue Bezeichnung der „Betreuer“ trägt.

Hundert verschiedene Versionen dieser grundlegenden Story gingen Atwater durch den Kopf, ja zum Teil rasten sie und überschlugen sich gar. Ein ganzes Sammelsurium von Bildern. Er war der Merlin, Zauberstab, Hut und Umhang inbegriffen, für den präsidialen Artus. Wie Cus d’Amato für Mike Tyson. Brian Epstein für die Beatles. Olivia für den römischen Kaiser Tiberius. Seine Mission war es, den König nicht nur auf den Thron gehoben zu haben, sondern ihn auch zu schützen – ja, genau, auch noch aus dem Grab heraus. Wie ein Schutzengel. Ein überirdisches Wesen. Ein Geist, der noch von der anderen Seite, aus dem Jenseits heraus Einfluss nimmt. Eine Hand, die ein Flammenschwert hielt, wie der vom Himmel herabgestiegene Erzengel Gabriel … Darin lag eine gewisse Form von Unsterblichkeit. Wenn ihm dies gelänge, wäre er der Durchtriebenste von allen, raffinierter noch als der Tod.

Genug, dachte der Mann auf dem Stuhl am Fenster. Ich habe meine Pflicht getan. Knapp drei Minuten waren vergangen. Er stand auf und wollte gehen.

Atwater hatte sich weder bewegt noch gesprochen. Seine Botschaft lag noch immer verborgen unter Müdigkeit und Morphin. Im Vorbeigehen warf sein Besucher einen Blick auf den abgemagerten Körper und den verbundenen Kopf. Die Kreatur, die dort lag, war einst voller übersprudelnder Vitalität gewesen, clever, tyrannisch, mit scharfem Blick und noch schärferer Zunge. Jetzt war sie von Mattheit erfüllt, die Leere hatte eingesetzt. Atwaters Hand unter dem Laken schien geballt.

Der Besucher wusste nicht, was er sagen sollte. Zu diesem Etwas, das weder sprach noch etwas sah, fielen ihm keine Worte ein. Er war nicht der Typ, der zu Menschen im Koma spricht und dann in dieser fürs Fernsehen erfundenen Redeweise sagt: »Doch, doch, er (oder sie) kann mich hören. Ich weiß es.« Egal, wozu Lee ihn herbestellt haben mochte, es musste warten. Auf die Zweite Welt, auf Himmel oder Hölle oder Washington, D. C. im Sommer, wohin auch immer tote Politiker in diesem Jahrtausend kommen mochten. Er nickte und wandte sich zum Gehen.

In Atwater erwachte der Merlin. Wie durch Zauberei durchquerte er die betäubten und schlummernden Sinne – oder vielleicht öffnete er die Passage zwischen Verstand und Gefühl. Es drang zu Atwater durch, dass sein Gast da war. »Jim«, flüsterte er. »Jim.«

Die Hand auf dem Türknauf blieb Außenminister James Baker stehen. Er drehte sich um. Atwater hatte die Augen immer noch geschlossen, aber er atmete tiefer und seine Hand schien sich zu bewegen.

»Lee?«

»Aah«, ein Stöhnen, ein Grunzen, eine Aufforderung. Baker trat wieder ans Bett. Atwater schlug plötzlich die Augen auf. Der alte Falke sah ihn an. Voller List und Selbstbewusstsein. »Hör zu«, sagte er. »George …«

»George was …«

Baker hatte das Gefühl, er könne Atwaters Gedanken sehen, die sich wie Uhrwerke hinter dessen Augen drehten und ineinandergriffen, und was er zu denken schien, war: Ich brauch kein Blatt vor den Mund nehmen. Baker kann es nicht im Büro gegen mich verwenden, weil ich längst tot sein werde, bevor er dazu Gelegenheit bekommt – ätsch! »George«, sagte Atwater über den Präsidenten, »ist ein Schlappschwanz. Ehrgeizig, intrigant, rachsüchtig, aber trotzdem … Und er wird’s vermasseln, Jim. Wenn es dazu kommt …«

»Was meinst du mit vermasseln

»Ich meine die Umfragen«, sagte Atwater, als sei Bakers Frage überflüssig, als gäbe es nichts anderes. »Und wenn er nichts unternimmt, auch die Wiederwahl.« Schwer vorstellbar, dass man nach Reagan, noch mal Reagan und danach Bush/Quayle, die die Opposition zermalmt hatten, die Wiederwahl nicht gewinnen würde. »Mach dir keine Sorgen«, wiegelte Jim ab. »Wir werden uns darum kümmern, Lee.« 

»Das ist meine Aufgabe. Meine Mission.« Eine Hand griff nach Baker, packte seinen Ärmel und zog ihn näher. Atwaters Atem war schlecht. Stank faulig. Himmelherrgott, dachte Baker, warum putzen die ihm nicht mal die Zähne oder lassen ihn mit Mundwasser gurgeln oder was weiß ich. »Ich habe einen Plan«, sagte Atwater. Die andere Hand, die nähere, schob sich unter der Decke hervor, wo sie erkennbar geballt gewesen war. Sie hielt einen zerknitterten Umschlag. »Wenn Georgie es versaut, dann öffnest du das hier. Das ist eine todsichere Sache, damit gewinnt ihr hundertprozentig die Wahlen.«

»Hey, danke«, meinte Baker diplomatisch. »Ich wird’s George sagen. Er wird gerührt sein. In deinem Zustand – und du denkst an ihn.«

»Scheiß drauf«, sagte Atwater. »Mir geht’s um den Sieg. Denk dran, Baker. Es gibt nur zwei Dinge: Siegen und Sterben.« Er kicherte. »Zeig’s ihm jetzt noch nicht. Schau du es dir jetzt auch nicht an. Warte …«

»Worauf?«

»Bis du in Schwierigkeiten steckst und es brauchst.«

»Ist das so was wie eine Zaubermünze, wie in einem Märchen oder so?«, fragte Baker.

»So in der Richtung«, erwiderte Atwater.

»Warum darf ich’s mir jetzt nicht anschauen?«

»Weil du« – Atwater holte tief Luft – »es für verrückt halten wirst. Und es wird dich erschrecken. Gleichzeitig ist die Sache aber so vernünftig und logisch, dass du gar nicht widerstehen kannst und es viel zu früh ausprobieren wirst …«

»Und dann?«

»Dann funktioniert es vielleicht nicht mehr.«

»Wie bei der Gans, die goldene Eier gelegt hat, oder den drei Wünschen der guten Fee?«

»Genau so mächtig, ja«, sagte Atwater, der nicht ganz bei Verstand schien. Er drückte Baker den Umschlag in die Hand. Baker hatte nicht die leiseste Ahnung, worum es sich handeln könnte. »Es ist wunderbar. Der Präsident wird begeistert sein. Wenn euch erst mal klargeworden ist, dass es nicht verrückt ist. Sondern ganz im Gegenteil.«

1: Machiavelli war von 1498 bis 1512 Kanzler des »Rates der Zehn« und zuvor Sekretär in der mit auswärtigen Angelegenheiten und Militärfragen befassten zweiten Staatskanzlei der Republik von Florenz. Er diente häufig als Gesandter, aber nie als Botschafter. Ohne genaueste Kenntnis der Epoche ist es äußerst schwierig, Vergleiche zwischen der Macht seines Amtes und dem seiner geistigen Erben anzustellen. Nachdem die Medicis die Macht in Florenz zurückeroberten, hatte Machiavelli nie wieder ein wichtiges Amt inne.
2: Hier handelt es sich um einen Roman. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden erwähnt. Politiker, Berühmtheiten, Präsidenten usw. Ihre Handlungen, so wie sie hier dargestellt werden, entspringen der Phantasie des Autors und sollten in keiner Weise als »wahr« oder gar als »Fiktionalisierung einer Wahrheit, die auf keine andere Weise wiedergegeben werden kann« angesehen werden. Es sei denn natürlich, der Reader verfügt über eigene Unterlagen, die belegen, dass reale Handlungen mit diesen frei erfundenen übereinstimmen. Das gleiche gilt für die Darstellung der Personen. Der Autor weiß von allen in diesem Buch erwähnten realen Personen nur das, was aus allgemein zugänglichen Unterlagen hervorgeht, und er hat sich entschieden, diese Informationen literarisch frei zu verwenden – schließlich handelt es sich um einen Roman.
3: Atwater kommentiert dies in Life, seiner Autobiografie, die er zusammen mit Todd Brewster geschrieben hat: »Mir fiel der Spruch ein, den wir ’88 verwendet hatten: ›Versetz dich in den Kopf deines Feindes.‹ Nun hat der Krebs genau das mit mir gemacht.«
4: Die demokratische Abgeordnete Pat Schroeder nannte ihn den »bösesten Menschen Amerikas«. Reverend Pat Roberston sagte: »Lee Atwater hat jeden schmutzigen Trick angewandt, den man sich nur denken kann«, und »Der republikanischen Wahlkampagne wurde vorgeworfen, Gerüchte über die geistige Gesundheit von Michael Dukakis verbreitet zu haben.« (William Greider, Rolling Stone, 12.01.1989).
»Lee Atwater, sein Pressesprecher Mark Goodin und der Kongressabgeordnete Newt Gingrich … setzten ein sich hartnäckig haltendes Gerücht [bezüglich homosexueller Aktivitäten] in die Welt, das Thomas Foley, den neuen Sprecher des Repräsentantenhauses, in Verruf bringen sollte.« (Time, 19. 6. 1989).
»Vom ersten Tagen an bewies Mr. Atwater die Fähigkeit, mit rassistischen Diffamierungen und Unterstellungen zu arbeiten – ein zentraler Aspekt der Bemühungen der Republikaner in den Südstaaten, weiße Wähler zu gewinnen.« (Nachruf, New York Times, 30.03.1991).
Des Weiteren wiederholt das New York Times Magazine vom 30.04.1989 eine von Atwater stets bestrittene Geschichte, der zufolge er durch seine Intrigen den Kandidaten einer dritten Partei dazu gebracht habe, eine antisemitische Kampagne gegen seinen Hauptgegner zu führen, und so den Nutzen daraus zog, ohne die Prügel dafür zu kassieren.

Fotos: »Der Krieg beginnt« by Pavel Nekoranec und »Soldat zielt« by Specna Arms on Unsplash